29.03.2021

Nachhaltige Waldnutzung dank Energieholz

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Energieholz: Wachstumsmarkt, Hoffnungsträger der Waldwirtschaft Quelle: Holzenergie Schweiz, Christoph Rutschmann

Alle wollen heute nachhaltig sein, doch «Wer hat’s erfunden?». Hans Carl von Carlowitz prägte den Begriff 1713 in seinem Buch «Sylvicultura oeconomica». Damals herrschten Holzmangel und Energiekrise. Holz war praktisch der einzige verfügbare Rohstoff und Energieträger, und die Wälder waren ausgebeutet. Carlowitz forderte eine «nachhaltende Nutzung», weil Land und Gesellschaft ohne Holz keine Existenzgrundlage hatten.

Die vor über 300 Jahren aufgestellten Carlowitz’schen Forderungen und Betrachtung sind erstaunlich aktuell. Denn heute steht die Gesellschaft vor ähnlichen Herausforderungen: Die Energieversorgung muss einen Ausweg aus der fossilen Falle finden, nicht erneuerbare, begrenzte Ressourcen sind zu substituieren und zu schützen, damit auch künftige Generationen über sichere Lebengrundlagen verfügen. Zusätzlich ist die Klimaerwärmung einzudämmen und die Landwirtschaftsböden sind vor Erosion, Überdüngung und Auslaugung zu schützen. Es geht grundsätzlich um das Gleiche wie damals, als Carl von Carlowitz den Begriff der Nachhaltigkeit erfand: Es geht um den langfristigen Erhalt der Lebensgrundlagen oder um das Gebot, lediglich die «Zinsen und nicht das Kapital selbst» zu verzehren. Geändert hat sich lediglich die Perspektive, die heute globaler ist.

Der Wald ist in der Schweiz ein ganz besonderes Kapital, dessen Zinsen wir erst zum Teil nutzen. Die «Buchhaltung» dieses Kapitals wird minuziös durch die Bundesämter für Umwelt BAFU sowie für Statistik BFS geführt und jedes Jahr im «Jahrbuch Wald und Holz» publiziert. Soeben erschien die neueste Ausgabe* und ermöglicht einen interessanten Einblick in die Waldressourcen, die Holznutzung, die Leistungen und Produkte des Waldes, die Holzverarbeitung und den Handel mit Holz und Holzprodukten der Schweiz im Jahr 2019 und 2020.

(*Jahrbuch Wald und Holz 2020, Umwelt-Zustand Nr. 2026, Herausgeber: Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern, Februar 2021)

Holz – Zinsen nutzen, Kapital schonen

Im Schweizer Wald wachsen gemäss Landesforstinventar LFI pro Jahr rund 11 Millionen Kubikmeter (Festmeter Fm) Holz nach. Das sind die Zinsen des Kapitals, die man nutzen kann und soll. Holz ist eine einheimische, nachwachsende, klimaneutrale Ressource, die klimaschädliches, nicht erneuerbares, aus fernen Ländern stammendes Gas oder Öl, aber auch Baustoffe wie Stahl und Beton, deren Herstellung enorme Mengen grauer Energie (und damit Gas, oder Öl!) verschlingt, ersetzen kann.

Nicht die ganzen 11 Millionen Festmeter Fm sind nutzbar, da die moderne Forstwirtschaft Wert auf eine naturnahe Bewirtschaftung des Waldes legt. Natürliche Abgänge von Bäumen und das Ausscheiden von Reservatszonen, Altholzinseln, Naturschutzgebieten und dergleichen vermindern die jährlich geerntete Holzmenge. Unter Berücksichtigung der Interessen des Naturschutzes und der Förderung der Biodiversität könnte man die Nutzung problemlos um 1,5 bis 2 Millionen Fm erhöhen, weil viel mehr Holz nachwächst als genutzt wird.

Schweiz: brachliegendes Holz-Potential

2019 wurden im Schweizer Wald gemäss Forststatistik 4.6 Mio. Fm Holz genutzt. Sie waren in folgende drei Sortimente unterteilt: Stammholz 2.2 Mio. Fm (48 %), Industrieholz 0.5 Mio. Fm (11 %) und Energieholz 1.9 Mio. Fm (41 %). Beim Energieholz entfielen 1.19 Mio. Fm auf die Hackschnitzel (Anteil 62 %) und 0.73 Mio. Fm auf das Stückholz (Anteil 38 %). Die nachfolgende Tabelle ist eine graphische Umsetzung der Tabelle «Gesamte Holzernte nach Holzarten- und Sortimentengruppen 1970 bis 2019» (Jahrbuch Wald und Holz, S. 25).

Bemerkungen: Die teilweise massiven Ausschläge der Nutzung nach oben sind auf extreme Sturmereignisse zurückzuführen. (Februar 1990: Vivian; 2000: Lothar (Dezember 1999); Januar 2018: Burglind).

Aus Sicht der Waldeigentümer und Forstbetriebe widerspiegelt die Entwicklung einige Trends, die gesamtschweizerisch Sorge bereiten, aber auch Chancen bieten. Stammholz war lange Zeit das Rückgrat der Waldbewirtschaftung und ist heute noch das wichtigste Sortiment. Die Nachfrage der Sägereien nach Stammholz hat zwischen 1970 und etwa 2005 tendenziell zugenommen, nimmt aber seither zum Leidwesen der Waldwirtschaft kontinuierlich ab. Die Tatsache, dass im Schweizer Bausektor in den letzten Jahren immer mehr Holz verbaut wird und sich dies nicht im Absatz von Schweizer Stammholz spiegelt, wirft Fragen auf.

Tatsächlich nimmt der Holzverbrauch im Bauwesen zu, die dafür notwendigen Holzprodukte (Halb- und Fertigfabrikate) werden aber nicht in der Schweiz produziert, sondern in hoch spezialisierten, grossen Werken im Ausland. Der Abzug der Holzindustrie aus der Schweiz und das Fehlen von Kapazitäten zur Herstellung der im Bau benötigten Sortimente wirken sich für die Schweiz doppelt schmerzhaft aus. Einerseits verliert die Forstwirtschaft eine gute Nachfrage nach den preislich und qualitativ höheren Sortimenten, andererseits fehlen die Arbeitsplätze zur Verarbeitung des Stammholzes zu Halb- und Fertigfabrikaten. Ein grosser Teil der Wertschöpfung findet ausserhalb der Landesgrenzen statt.

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